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19.12.2018

ERP-Betrieb: Technologiefalle oder Rückgrat der Wettbewerbsfähigkeit?

Wer denkt, nach erfolgreicher Inbetriebnahme des neuen ERP-Systems könne man sich endlich zurücklehnen und sich wieder um andere Themen kümmern, den muss ich leider enttäuschen. Nichts verzehrt so viel Geld wie die Betriebsphase von ERP-Systemen. Das hat im Wesentlichen folgende Ursachen:

Zum einen fallen durch Wartungsgebühren und unumgängliche Anpassungen in den mindestens zehn bis 15 Betriebsjahren doppelt so hohe Kosten an wie in der Einführungsphase. Zum anderen nimmt tendenziell die Flexibilität des ehemals neuen ERP-Systems mit jedem Betriebsjahr ab. Wenn dann noch Probleme im Stammdatenmanagement dazukommen, weil zugunsten einer vermeintlich schnelleren Einführung die Überarbeitung der Stammdaten "verschoben" wurde, der schleppt seine Probleme gleich mit durch. Auch das Wissen der externen Berater ist nun immer schwerer verfügbar. Und draußen ändern sich permanent Prozesse, Kundenwünsche und Marktanforderungen...
Ich sehe drei Wege, diesem Problem zu entkommen. Am wichtigsten ist die mentale Einschätzung des ERP-Betriebs als ein langanhaltendes Optimierungsprojekt. Dieses Projekt kann nicht irgendwann abgehakt werden, sondern bedarf regelmäßiger Aufmerksamkeit, auch des Managements.

Das beginnt mit regelmäßigen Updates des Systems. Der Hersteller passt sein System regelmäßig an den technischen Fortschritt an, aber je mehr Major Releases Ihr System hinter dem aktuellen Stand ist, umso teurer wird eine Aktualisierung. Und durch Abwarten, einer beliebten Managementtaktik, wird es noch teurer.

Meine zweite Empfehlung besteht darin, interne Kompetenz zum ERP-System im Hause aufzubauen. Die Zeiten, wo die IT nahezu komplett outgesourcet werden konnte, sind vorbei - inzwischen ist IT wieder zu einem Treiber der Wettbewerbsfähigkeit geworden. Eigene Mitarbeiter und ein eigenes Innovationsbudget gehören dazu. Damit sollen neue Wege im Bereich Industrial Internet of Things, Business Analytics und KI erprobt werden. Schließlich müssen die Prozesse regelmäßig mit dem ERP-System abgeglichen werden. Es darf keine Prozessabschnitte geben, die im Blindflug ohne ERP-Abbildung betrieben werden.

Wenn Sie diese Hinweise berücksichtigen, dann stellen Ihr im Betrieb befindliches aktuelles ERP-System und die interne Truppe, die es kompetent betreibt, Ihr Rückgrat der Digitalisierung dar.