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13.06.2018

Die Zukunft des Handels? Prof. Gronau besucht den ersten amazon GO Store in Seattle

Die Zukunft des Handels beginnt ohne Einkaufskorb oder -wagen. Weil der Kunde nach der Entnahme aus dem Regal seine Artikel gleich in seinem Rucksack o.ä. verstauen kann, gibt es im amazon GO Store in Seattle keine Gefäße, in die man seine Einkäufe packen kann. 

Nach dem Herunterladen der App und Scannen am Eingang (inkl. Begleitpersonen, die mit einkaufen dürfen) ist man schon drin (Bild 1). Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Flächenproduktivität nicht sehr hoch sein kann: Viel Platz, wenig Regale. Keine Inseln, nur am Rand entlang. Das Warensortiment beschränkt sich auf verpackte Artikel (Bild 2). Frisches Obst, Gemüse, Käse etc. ist nur in abgepackten Boxen zu erhalten. Das liegt sicher an der verwendeten Technik, die Warenentnahme durch einen Sensor am Regalboden zu erfassen. Wer die Ware entnimmt, ist ja durch das Smartphone des Käufers, dessen Weg getrackt wird, zu erkennen (Bild 3).
Ünrigens gibt es auch keine elektronische Warenauszeichnung, sondern herkömmliche Papierschildchen.

Eine Überraschung gab  es, als wir ein paar Flaschen Bier kaufen wollten: Ein Mitarbeiter ließ sich unsere Ausweise zeigen (Bild 4)! amazon sollte doch längst wissen, wie alt wir sind, oder?

Beim Stöbern durch den Laden wären wir fast mit einem weiteren Amazon-Mitarbeiter zusammengestoßen. Er füllt manuell die Regale nach. Allerdings nimmt er nur Ware mit den Lade, die unbedingt nachgefüllt werden muss - den Anstoß dazu gibt die artikel- und zeitgenaue Erfassung der Regalentnahmen.

Ganz einfach dann wie versprochen der Checkout - man geht einfach wieder durch die Schranke und ist draußen. Kein Warten, kein Wechselgeld rauskramen, kein Bangen um die Kreditkartenautorisierung. Einfach so. 

Fazit: Mit hohem Technikeinsatz wird bei amazon GO ein Teilaspekt des Shopping abgeschafft: der Checkout. Der Preis dafür ist im wahrsten Sinne des Wortes hoch; denn günstig war der Einkauf bei amazon GO nicht. Muss der Einzelhandel diese Entwicklung nun fürchten? Ich glaube nicht. Gerade im höherpreisigen Segment machen Menschen und eine nicht uniforme Warenpräsentation den Unterschied aus. Wenn es allerdings um Kostenvorteile durch Automatisierung geht, weist der Store in die richtige Richtung.

Check-in über Gates

Entnahme eines Produktes

Sensoren an jedem Regalbrett

Manuelle Alterskontrolle durch einen Mitarbeiter